Mit einem ganzheitlichen und zukunftsorientierten Konzept stellt der Landkreis Lindau die Weichen für eine langfristig gesicherte Gesundheitsversorgung. Ziel ist es, die ambulanten und stationären Angebote im Westallgäu und am Bodensee so zu verzahnen, dass die Bürgerinnen und Bürger genau die Hilfe erhalten, die sie benötigen – wohnortnah, bedarfsgerecht und verlässlich. Neben einer verlässlichen stationären Grundversorgung mit einem Integrierten Notfallzentrum (INZ) soll ein hausärztliches Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit einer Anlaufstelle für die Akutversorgung entstehen.
Ziel ist es, die Versorgung in der Region so weiterzuentwickeln, dass Patienten im Akutfall genau dort behandelt werden, wo es medizinisch sinnvoll ist: Bei schweren Notfällen in der Notaufnahme eines entsprechend spezialisierten Krankenhauses und bei weniger dringlichen Fällen in den wohnortnahen, neu geschaffenen Strukturen: der KVB-Bereitschaftspraxis des Integrierten Notfallzentrums (INZ) oder der Anlaufstelle für die Akutversorgung des MVZ.
Der Schwerpunkt des Konzepts liegt auf zwei zentralen Bausteinen:
Im oberen Landkreis (Lindenberg): Aufbau eines hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit einer Anlaufstelle für die Versorgung von nicht lebensbedrohlichen, akuten Erkrankungen. Diese soll künftig in den Abendstunden sowie an Wochenenden nach dem „Walk-in-Prinzip“ funktionieren und eine erste Anlaufstelle ohne Termin bieten.
In Lindau: Prüfung eines Integrierten Notfallzentrums (INZ) an der Asklepios Klinik.
Aktuell finden Gespräche zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, dem Landkreis Lindau und der Asklepios Klinik statt, um mögliche Wege zur Integration der KV-Bereitschaftspraxis in die Asklepios Klinik zu finden. Durch einen „gemeinsamen Tresen“ von Kassenärztlicher Bereitschaftspraxis und Zentraler Notaufnahme wäre eine schnelle Entscheidungsfindung, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung erforderlich ist, möglich. „Ein gemeinsamer Tresen wäre ein echter Gewinn: Patienten würden schneller an der richtigen Stelle ankommen und wir könnten die Notaufnahme auf echte Notfälle konzentrieren“, erklärt Dr. Tobias Gebs, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Asklepios Klinik Lindau.
Die stationäre Versorgung im Landkreis erfüllt bereits heute die Vorgaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums. „So erreichen 95 Prozent der Bevölkerung die Basisnotfallversorgung innerhalb von 30 Minuten. Auch die flächendeckende Geburtshilfe ist sichergestellt; die maximale Fahrzeit von 40 Minuten wird im gesamten Landkreis eingehalten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Lindau. Um diese Qualität dauerhaft zu halten, lässt der Landkreis derzeit in einem Gutachten untersuchen, wie die stationären Strukturen an den demografischen Wandel und den medizinischen Fortschritt angepasst werden können. Denn moderne medizinische Verfahren, schonendere Eingriffe und eine bessere Nachsorge machen es möglich, dass immer mehr Behandlungen ambulant durchgeführt werden. Dieser Trend ist stärker als der durch den demografischen Wandel erwartete Anstieg stationärer Behandlungen. Ein Gutachten des Bayerischen Gesundheitsministeriums zeige auf, dass der stationäre Bedarf bis 2035 bayernweit um etwa 12 Prozent sinken wird – ein Trend, der sich mit rund 11 Prozent auch im Landkreis Lindau widerspiegele. Vor diesem Hintergrund werde deutlich, dass ambulante und wohnortnahe Angebote in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden, insbesondere außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten.
Im Bild: Clara Walter, Geschäftsführerin der Asklepios Klinik Lindau, Dr. Tobias Gebs, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Asklepios Klinik Lindau, und Landrat Elmar Stegmann.
Foto: Landkreis Lindau/Nadja Krassik