Die duale Ausbildung liegt trotz der konjunkturellen Krise weiter im Trend. Knapp vier Wochen vor dem offiziellen Start in das neue Ausbildungsjahr verzeichnet die IHK Schwaben weiter hohe Zahlen bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen. Der KI-Boom dürfte einer der Gründe dafür sein. Gleichzeitig sind in Bayerisch-Schwaben nach wie vor zahlreiche Ausbildungsplätze frei. „Jugendliche, die bislang keinen Vertrag abgeschlossen haben, sollten jetzt aktiv werden und bei der Berufswahl auch weniger bekannte Ausbildungsberufe in den Blick nehmen“, sagt Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter der Beruflichen Bildung bei der IHK Schwaben.
Für das im September beginnende Ausbildungsjahr sind bei der IHK Schwaben derzeit knapp 6.000 neue Ausbildungsverträge eingegangen. „Angesichts der konjunkturellen Schwierigkeiten, mit denen unsere Unternehmen zu kämpfen haben, ist das eine gute Zahl“, sagt IHK-Bildungsexperte Fischer. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 6.250 Verträge.
Für das Allgäu liegen bislang mehr als 2.500 Verträge vor, rund 100 weniger als im vergangenen Jahr. „Noch ist viel Bewegung auf dem Markt. Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einem weiteren Zuwachs“, sagt Fischer. Aktuell sind in der regionalen Ausbildungsplatzbörse, dem IHK-Ausbildungsatlas, noch mehr als 1.700 offene Stellen gemeldet.
KI-Boom beflügelt Interesse an Ausbildung
Der Trend zur Akademisierung flacht sich weiter ab, immer mehr junge Menschen entscheiden sich heute bewusst für die berufliche Bildung. Fischer glaubt, dass Künstliche Intelligenz diese Entwicklung weiter verstärken wird. „Wir entwickeln uns durch KI zunehmend von einer reinen Wissens- zu einer Kompetenzgesellschaft: Theoretisches Wissen bleibt wichtig. Entscheidend wird aber in Zukunft sein, dieses Wissen anwenden und in konkreten Situationen nutzen zu können. Genau diese Kompetenzen vermittelt die duale Ausbildung.“ Laut einer bundesweiten Befragung der Bertelsmann-Stiftung ist die Ausbildung als Bildungsweg für Schülerinnen und Schüler schon heute die beliebteste Option – noch vor dem Studium.
Rückgang in der Industrie – Starke Zuwächse im Hotel- und Gaststättengewerbe
Der insgesamt positive Trend wird derzeit jedoch von der wirtschaftlich schwierigen Situation überlagert. Vor allem in der Industrie hinterlässt die schlechte konjunkturelle Lage Spuren. Nach aktuellem Stand ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge in den industriellen Berufen um fast 18 Prozent zurückgegangen. Dafür gibt es starke Zuwächse bei Ausbildungsverträgen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier sind bislang 23 Prozent mehr Verträge geschlossen worden. „Die Branche leidet besonders stark unter dem Fachkräftemangel und hat enormen Nachholbedarf bei der Besetzung freier Stellen“, erklärt Fischer. Zudem profitiert man auch hier vom KI-Boom. „Gerade Berufe, in denen die persönliche Dienstleistung und Service wichtig sind, erscheinen vielen jungen
Menschen als zukunftssichere Option“, so der IHK-Experte.
Matching bleibt die große Herausforderung
Eine Herausforderung bleibt weiter, dass Unternehmen mit Bewerberinnen und Bewerbern oft nicht zusammenfinden. Im vergangenen Jahr konnte nach einer IHK-Umfrage mehr als die Hälfte der Ausbildungsbetriebe in Bayerisch-Schwaben ihre Lehrstellen nicht besetzen – in mehr als 70 Prozent der Fälle lag das daran, dass keine oder keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Gleichzeitig blieben nach Angaben der Agentur für Arbeit schwabenweit mehr als 200 junge Menschen, die sich als suchend gemeldet hatten, unversorgt. „Um diese Lücke zu schließen, versucht die IHK Schwaben die jungen Menschen in diesem Jahr noch zielgerichteter zu unterstützen“, berichtet Fischer. Mit dem IHK-Ausbildungsmobil waren die Beraterinnen und Berater in den vergangenen Monaten an den Schulen in der Region im Einsatz, um direkt vor Ort zu beraten. Mit an Bord waren die IHK-Ausbildungsscouts, die die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand informierten. Auch die in der IHK ehrenamtlich engagierten Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen Projekte zur Berufsorientierung, z. B. mit Firmenbesuchen, Praktika oder Schulpartnerschaften.
Immer mehr junge Menschen ohne Abschluss
Auch die steigende Zahl junger Menschen ohne oder mit schlechtem Schulabschluss belastet den Ausbildungsmarkt. „Für die Unternehmen steigt der Aufwand enorm, diese Jugendlichen durch die Ausbildung zu bringen“, sagt Fischer. Mit zahlreichen Unterstützungsangeboten versucht die IHK Schwaben gegenzusteuern. So fördert die IHK Kurse wie „Fit fürs Lernen“. Bei „VerAplus“ engagieren sich erfahrene Fachkräfte im Nachhilfeunterricht. Und Modelle wie „1+x“ ermöglichen es jungen Menschen, die Berufsschulzeit zu strecken. „Wir dürfen Jugendliche mit schulischen Problemen nicht aufgeben und müssen ihre Potenziale nutzen“, betont Fischer.
Auch Spätstarter haben noch gute Chancen
Jugendliche, die am 1. September in eine Ausbildung starten möchten, können sich weiterhin bewerben. „Wer offen ist, bei Beruf und Region flexibel bleibt und motiviert ist, hat weiterhin gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu finden.“ Informationen zur Ausbildungsplatzsuche und zu den Unterstützungsangeboten der IHK Schwaben gibt es unter ihk.de/schwaben, Nr. 6121930 oder unter der Hotline: 08 21/3 16 21 00
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